Stormchase USA 2012 - Tag 9 (Index)

19.05.2012: Lakin, KS - Horace - Oakley - Kanopolis - Salina - Kingman (485 Meilen)


Rating:


English summary: Intercepted an intense hailstorm and crossed its very stormy outflow. Missed the unexpected tornado party one storm further south though...

Aus Nordwesten nähert sich eine Kaltfront, im Süden mischt die Dryline ins Geschehen mit und aus Südosten fliesst etwas weniger trockene Luft Richtung Kansas. Das klingt nach einer weiteren Runde mit Gewittern. Schon gegen Mittag nähern sich von Colorado her erste Zellen meinem Standort. Sie sind bereits gewarnt vor grossem Hagel. Es gibt ein Slight Risk etwa 150 Meilen östlich von hier über Zentralkansas von Nord nach Süd. Die Zeit der Initiation wird vom SPC auf 21 bis 23z gesetzt, also habe ich (mutmasslich) noch Zeit, mich mit den bereits bestehenden Gewittern zu befassen. Hier eine dieser Hagelzellen:



Und dies die Südseite der Zelle:



Das SPC spricht von Quarter Size Hail, das dürfte reichen, um sie sich von Innen anzuschauen, also fahre ich möglichst nah heran. Der weisse Vorhang links ist der besagte Hagel:









Wow, der Hagelvorhang ist extrem dicht! Da muss tonnenweise Hagel fallen:



Und so ist es auch:



Innert Kürze ist die Strasse bedeckt mit einer Hagelschicht. Korngrösse wie erwartet maximal 2.5 cm:



Aber was für Mengen kommen da herunter!



Hier ein Video des Hagelschlags

Auf der Einfahrt in den Ort Russel Springs liegt massenweise Hagel rum, das Fahren ist schwierig und sehr langsam:









Schliesslich orientiere ich mich allmählich nach Osten und gewinne wieder Abstand zum Gewitter:







Auf der Fahrt an die neue Gewitterzone weiter östlich erkennt man extrem starken Nordwestwind, der zeitweise alles in Staub hüllt:





Es muss sich um eine Kombination aus Outflow und Druckanstieg an der Front-Rückseite handeln. Die Windgeschwindigkeit muss um die 100 km/h betragen. Von hinten Links, weshalb es zum fahren noch einigermassen klappt. Weiter östlich vor der Front weht 50 bis 70 km/h Südwind. Also hat es an der Front eine Zone mit enormer bodennaher Windscherung!



Und genau am Windsprung geht es los! Neue Quellungen schiessen in die Höhe:



Ich positioniere mich östlich der neuen Wolken, als ich Reports von einer weiteren Zelle im Süden von hier reinkommen sehe:



Da wird zunächst von Shear-Funnels berichtet, dann ist die Rede von ausgewachsenen Tornados! Und nicht nur einer, sondern zahlreiche Tornados werden von da unten gemeldet! Was ist da los, auf dem Radar sieht es nach zerfallender eher unorganisierter Gewitterlinie aus, und auf einmal kommen die Tornado-Reports? Es muss sich um den Windsprung handeln. Die Tornados entstehen vermutlich nicht an klassischen, rotierenden Superzellen, sondern durch vertikale Streckung des Windsprungs, also von bereits bestehender Rotation mit vertikaler Achse (gute Analyse des Falls von Jon Davies) Wie dem auch sei, ich bin nicht dort, die Tornados kommen für mich total überraschend und man muss sich zusammenreissen, bei den Reports und anschliessenden Bildern von da unten ruhig zu bleiben. Hier hingegen zerfällt alles in Einzelteile:



Das ist der Komplex am Abend, der die heutigen Tornados verursacht hat, *knirsch*:





Text und Bilder ©2012 Markus Pfister